Homöopathie PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Freitag, den 26. Oktober 2012 um 21:16 Uhr

Globuli. Foto: Dr. Leonora Schwarz / pixelio.deGlobuli oder „Glaubuli”?

Die Homöopathie ist wohl die populärste Methode der so genannten Alternativmedizin. Einer Medizin also, die im bewussten Gegensatz zur „Schulmedizin” steht. Mit Schulmedizin ist die an den Universitäten und medizinischen Hochschulen in Lehre und Forschung vertretene Medizin gemeint. Dabei wird der Begriff zumeist von den Vertretern der Alternativmedizin als Kampfbegriff verwendet. Kaum eine Methode der Alternativmedizin ist so umstritten wie die Homöpathie. Es gibt vernichtende Kritik an ihrem Konzept seitens der der Vertreter deer wissenschaftlichen Medizin, aber es gibt auch viele begeisterte Vertreter der Lehre Samuel Hahnemanns. Und trotz nach wie vor fehlender wissenschaftlicher Nachweise scheint die Homöpathie zunehmend auch in den Curricula der medizinischen Fakultäten aufzutauchen, entstehen Stiftungslehrstühle für Naturheilkunde und Homöpathie.



Medizin der Zukunft oder großer Irrtum?
 
Seit der deutsche Arzt Samuel Hahnemann (1755 - 1843) vor mehr als 200 Jahren die Homöopathie als eine neuartige Medizin begründete, ist sie umstritten. Begeisterte Befürworter und vehemente Gegner dieser „besonderen Therapierichtung” gibt es auch heute noch. Seitens der „Schulmedizin” (damit ist die medizinische Lehre und Forschung gemeint, wie sie heute an Universitäten und medizinischen Hochschulen betrieben wird, sie wird auch als evidenz-basierte oder naturwissenschaftlich orientierte Medizin bezeichnet) ist die Homöopathie nach wie vor nicht anerkannt, weil es an plausiblen Nachweisen ihrer Wirksamkeit fehlt.


Was also ist die Homöopathie nun wirklich? Pseudowissenschaft? Esoterik, Weltanschauung oder „ein großer Irrtum, eine Irrlehre”, wie es der Fachbereich Humanmedizin der Universität Marburg vor Jahren in einer Erklärung formuliert hat?  Oder ist sie letztlich ein Therapiemethode mit einem „fundamental anderen Ansatz”, der von den Vertretern der Naturwissenschaft, „die sich allein im Besitz sicheren Wissens” wähnen, nicht richtig verstanden wird? (Klaus Gypser1),  Oder ist sie gar die „Medizin der Zukunft“ (Georgos Vithoulkas2), die über kurz oder lang den Sieg über die Schulmedizin erringen wird?


Beide – Homöopathie und evidenzbasierte Medizin -  nehmen für sich in Anspruch, auf wissenschaftlicher Grundlage betrieben zu werden. Aber was kann Wissenschaft?


Ein Theologe – also kein Naturwissenschaftler oder Mediziner – hat dazu folgendes gesagt – und das scheint mir als wissenschaftliche Vorgehensweise geradezu ein Königsweg zu sein:


„Wissenschaft kann nicht alles, und manchmal weiß Wissenschaft auch nicht weiter. Aber eines kann Wissenschaft schon: Probleme strukturieren und Fragen stellen. Wissenschaft kann nicht immer sagen, wofür sie ist. Wogegen sie ist, das kann sie schon.” (Prof. Dr. Rainer Bucher, Pastoraltheologe an der Universität Graz).


Also versuchen wir, die Probleme der Homöopathie zu strukturieren und Fragen zu stellen. Dabei sind wir uns bewusst, dass wissenschaftliche Antworten auf diese Fragen selbst der kritischen Befragung (Falsifizierung von Aussagen) unterliegen.



1.    Welche Homöopathie ist eigentlich gemeint?


Die Frage ist berechtigt, denn es gibt verschiedene Richtungen der Homöopathie, die sich zum Teil heftig widersprechen. (Klassische Homöopathie, genuine Homöopathie, Bönninghausen-Methode, miasmatische Homöopathie, naturwissenschaftlich-kritische Homöopathie, Impuls-Homöopathie, Resonanzhomöopathie, quantenlogische Homöopathie, neue Homöopathie nach Körbler u.a.).


In dieser Abhandlung geht es um die Auseinandersetzung mit der „Klassischen Homöopathie“, deren Grundlage Samuel Hahnemanns „Organon der rationellen Heilkunde” ist.



2.    Was sind die Grundprinzipien der klassischen Homöopathie?


2.1 Das Ähnlichkeitsprinzip (Simileprinzip)


„Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden” (similia similibus curentur). Danach solle ein homöopathisches Arzneimittel so ausgewählt werden, dass es an Gesunden ähnliche Symptome hervorrufen könne wie die, an denen der Kranke leidet. Hahnemann kam auf diese für die Homöopathie so grundlegende Annahme durch seinen berühmten Chinarindenversuch. Von der zerriebenen Chinarinde (der Rinde des Chinabaums) wusste man aus Erfahrung, dass es fiebersenkende Wirkung hat und z.B. bei Wechselfieber (Malaria) als Arznei verordnet wurde. Hahnemann probierte das Mittel im Selbstversuch aus. Er bekam, so heißt es, malariaähnliche Symptome, obwohl er gar nicht erkrankt war. Daraus entwickelte er das Similieprinzip: Wenn ein Mittel bei einem gesunden Menschen Krankheitssymptome verursacht, dann ist es genau das geeignete Mittel, einen tatsächlich Kranken mit ähnlichen Symptomen zu heilen. Welcher Stellenwert der Ähnlichkeitsregel von Hahnemann beigemessen wurde, erkennt man schon daraus, dass er seine Lehre „Homöopathie” nannte, was auf deutsch „ähnliches Leiden” bedeutet.


Schon zu Hahnemanns Lebzeiten gab es erbitterten Streit zwischen den Verfechtern seiner Methode, die für sich in Anspruch nahm, Krankheiten durch nach einem bestimmten Verfahren ausgewählte und speziell aufbereitete Arzneien mit „mathematischer Gewissheit“ (Hahnemann) heilen zu können und jenen Kritikern, die Hahnemann als Okkultisten bezeichneten (Hahnemann war wie viele andere bekannte Zeitgenossen Freimaurer, etwa Mozart).  Die Ähnlichkeitsregel mutet in der Tat magisch-okkult an. Etwas Böses (die Krankheit) wird durch etwas Böses (das den Gesunden krank machende Mittel) bekämpft. Kritiker sprechen daher auch - in Anspielung an den Vodoo-Kult - von der Homöopathie als einer „Vodoo-Medizin”.


- wird fortgesetzt -

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 14. November 2012 um 00:56 Uhr