Humor & Satire PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Donnerstag, den 08. November 2012 um 00:24 Uhr

Humor ist wenn man trotzdem lacht.


Quelle: www.wikipedia.deWenn man bedenkt, wie es um Humor und Satire in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts - also in meiner Kinder- und Jugendzeit - bestellt war und wie es heute aussieht, dann scheint die Kennzeichnung „Spaßgesellschaft” für unsere heutige Zeit gerechtfertigt zu sein. Wohl noch nie hat es, auch bedingt durch die unübersehbare Informationsflut der Medien - öffentliche und private Rundfunk und Fernsehsender und vor allem das Internet - so viele „Comedians” und „Comedy-Formate” gegeben. Aber schon ein flüchtiger Blick auf die Vielzahl derjenigen, die da heute im Bereich Humor und Satire auftreten, macht deutlich: Masse ist bei weitem nicht Klasse.

Das einzige Medium, das wir in unserer Familie in den fünfziger Jahren hatten, war ein Radio. Es war ein „Volksempfänger” noch aus der Vorkriegszeit. Schwarzes Bakelitgehäuse mit rundem, stoffbespannten Lautsprecher in der Mitte. Mein Vater sagte immer „Goebbels-Schnauze” dazu. Ich kann mich erinnern, dass damals immer am Samstagabend die „Bunten Abende” im NWDR (Nordwestdeutscher Rundfunk) gesendet wurden. Live-Übertragungen aus irgend einer Stadthalle. Und regelmäßig trat dort Heinz Erhardt auf. Und die Lacher und Beifallsstürme aus dem Radio ließen uns mitlachen.

Man muss dabei bedenken: Krieg und Vertreibung lagen noch nicht lange zurück, ebenso die ersten Notjahre nach 1945, wo es praktisch ums nackte Überleben ging. Aber nun - das „Wirtschaftswunder” zeigte seine ersten zaghaften Blüten - es ging wieder aufwärts, Zuversicht allenthalben trotz mancher nach wie vor existierender Probleme wie Wohnungsknappheit, wünschten sich die Menschen nach einer harten Arbeitswoche Unterhaltung und Entspannung wenigstens am Wochenende.
Und da war Heinz Erhardt genau der Richtige zur richtigen Zeit. Er brachte die Menschen dazu, nach all den Entbehrungen wieder unbeschwert und aus vollem Herzen zu lachen.

Eines meiner Lieblingsgedichte von Heinz Erhardt, das ich im Radio hörte und dann sehr schnell auswendig gelernt hatte war „Die Made”. Heinz Erhardt leitete das mit den folgenden Worten ein:

Sie hören jetzt mein neuestes Werk, das ich eben erst geworfen habe. Es ist noch ganz warm. Es ist das Gedicht von der Made. Die Made ist so eine Art Wurm, nur kürzer. Und meine Made hat auch nichts mit der made in Germany zu tun, obwohl da momentan auch der Wurm drin ist. (Gelächter im Saal). Sizilium, sizilium! Sie hören jetzt das Gedicht, ich fang vorne an.

Hinter eines Baumes Rinde
lebt die Made mit dem Kinde.
Sie war Witwe, denn der Gatte
den sie hatte,
fiel vom Blatte.
Diente so auf diese Weise
einer Ameise als Speise.


Eines Tages sprach die Made:
„Liebes Kind, ich sehe grade,
drüben gibt es frischen Kohl,
den ich hol.
Halt! Noch eins, denk was geschah!
Geh nicht aus, denk an Papa!”

Also sprach sie und entwich.
Made Junior aber schlich
aus der Wohnung - das war schlecht.
Denn schon kam ein bunter Specht
und verschlang die kleine fade
Made ohne Gnade.
Schade!

(Stürmischer Beifall, Lachen)

Noch nicht, noch nicht! Da kömmt doch noch was! Ne, so kurz ist die Made nun wieder nicht!

Hinter eines Baumes Rinde
ruft die Made nach dem Kinde..
(Stille im Saal)

So, jetzt können Se!


(Tosender Beifall).

- wird fortgesetzt -


Zuletzt aktualisiert am Montag, den 13. Januar 2014 um 13:10 Uhr